Kambodscha - Der Beginn...

Wir sind in Kambodscha. Die zweite Grenzüber-querung mit unserem Auto liegt hinter uns und wir sind auf dem Weg. Auf dem Weg? - Wohin überhaupt? Wir fragen uns: Wie geht man eigentlich vor, wenn man gar nicht weiß wohin? Einfach mal ins Grüne fahren, das kann ja nicht so schwer sein, noch dazu, wenn man einen grünen Gras-Bus hat.

Die ersten Kilometer von Kambodscha haben uns jedenfalls noch nicht wirklich überzeugt, was wohl auch daran liegt, dass der "Zoll" eine kleine Mafia zu sein scheint. Nach kurzer Recherche wird unser Gefühl bestätigt: Kambodscha zählt zu den korruptesten Ländern weltweit. Es belegt Platz Nummer 160 von 177 Mitstreitern, wobei Nummer 177 das korrupteste Land ist und Platz Nummer 1 das am wenigsten korrupte Land.

Da besteht allerhand Handlungsbedarf.     

 

Wir, als Besucher dieses Landes, bekommen davon wenig mit. Es werden uns zwar immerhin 15 Euro zu viel abgeknöpft, aber damit kommen wir,  im Vergleich zu den Einheimischen, glimpflich davon. Wir hören davon, dass Eltern das Gehalt der Lehrer "aufbessern" müssen, damit ihre Kinder von diesen überhaupt unterrichtet werden. Bedenkt man, dass ein Durchschnitts-Lehrer in Kambodscha einen Lohn von nur 60 US-Dollar pro Monat verdient,  ist diese "Bitte" auch nicht sonderlich verwunderlich. Im Vergleich dazu bekommen Arbeiter aus den Textil- und Schuhfabriken 140 Dollar pro Monat, was umgerechnet in etwa einem Betrag von 124 Euro entspricht. Die Textilindustrie ist übrigens der Wirtschaftsfaktor in Kambodscha und jährlich werden damit mehrere Millionen Umsatz gemacht. Was aber passiert mit diesen Geldern und den hohen Einnahmen aus Touristenmagneten wie zum Beispiel Angkor Wat, dem heiligen Zentrum der alten Khmer Kultur? Es wird nichts bis wenig wirklich in das Land, die Zukunft oder den Erhalt investiert - obwohl Möglichkeiten da sind. Die Regierung ist dafür zu korrupt. Auch hier gilt: Der Fisch stinkt vom Kopf her. 

 

Eine weitere Frage, die uns beschäftigt, ist folgende: Warum hat Kambodscha US-Dollar und Kambodschanische Riel? Nach einiger Recherche haben wir Gerhards Artikel darüber gefunden, der dieses Thema genauer hinterleuchtet. Einfach hier klicken, wenn ihr mehr darüber wissen wollt.

 

Vom Zoll aus fahren wir weiter, immer gerade aus. Es kommt wenig bis nichts, was unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht und deshalb fahren wir immer weiter. Uns kommt der Text von Clueso´s "Geisterstadt"- Song über Erfurt in Erinnerung, dabei kommt Erfurt aber, im Vergleich zu diesen ersten Kilometern in Kambodscha, richtig gut weg. Im Kopf den Beat zum soeben genannten Song, gleiten wir über den Asphalt dieser neuen und guten Straßen in einem der ärmsten Länder Asiens hinweg. Ein starker Kontrast zur verbrannten Erde neben uns links und rechts und den verlassenen Häusern, welche vereinzelt am Starßenrand auftauchen. In diesen ersten hundert Kilometern wird uns bewusst, dass Kambodscha arm ist, sehr arm. Nach hunderten von Kilometern parken wir schließlich an der Seite und machen Rast für den Tag. Das Abendbrot fällt heute eher spärlich aus. Zu wenig Möglichkeiten bis hierher, etwas vernünftiges zu Essen zu finden. Die Deckel der Töpfe, die uns wenige Stunden zuvor voller Vorfreude angeboten wurden, entsprachen nicht unseren Vorstellungen. Verkochtes Fleisch und Innereien, nicht unbedingt ganz frisch. Auch hier scheint die bevorzugte Hauptnahrungsquelle Fleisch zu sein. Wir erinnern uns an Malaysia: Fleisch, die Antwort für jede Mahlzeit. Wir schwenken als Abendbrot auf eine gesunde Pomelo um. Am nächsten Morgen sind wir immer noch nicht schlauer, wohin es überhaupt gehen soll. Wir beschließen kurzerhand, einige Internet-Tage einzulegen, bevor wir zur Hauptstadt Phnom Penh fahren, wo wir Leute kennen und vielleicht für einige Tage bleiben können. Dass wir nun in Kep gelandet sind, liegt größtenteils daran, dass wir nach einem schönen Bungalow am Strand Ausschau gehalten haben. Eine Stadt am Meer erweckt bei uns ein kleines Gefühl von Ruhe und Frieden; dass dies nicht immer mit der Wahrheit übereinstimmt bemerken wir spätestens bei der Ankunft. Das Meer ist nicht wirklich sauber und man empfiehlt uns, erst gar nicht die Fußspitzen reinzuhalten. Nachdem wir zwei Tage später den praktischen Test gemacht haben, hat es schon erheblich an der einen oder anderen Stelle gejuckt, aber Max war voll in seinem Element und hat Papa gleich mehrmals mit ins Wasser gezogen. Mittlerweile sind wir schon seit 2 Wochen hier und haben wieder einmal zahlreiche Eindrücke gesammelt. Was macht man also, wenn man nicht weiß wohin? Man lässt sich treiben. Dabei läuft man allerdings Gefahr, einige spannende Orte zu übersehen, aber wir suchen nach dem richtigen Erlebnis, und das kommt meistens schneller als wir denken. Obwohl wir nicht Ausschau halten nach dem Highlight des Landes, reisen wir genau so, wie wir es wollen. Sind wir dann mal an einem Ort, entstehen viele spannende Bekanntschaften, wie die mit Henner Gramsch oder den Besitzern der KEP Garden Schule.

 

Ein besonderer Anblick hier in Kep, sind für uns die zahlreichen Fahrradfahrer. Irgendwie kann ich, Tobi, mich nicht satt sehen an sportlich aktiven Radlern. Egal, ob es Kinder sind, die meist zu dritt oder viert auf dem Fahrrad von der Schule nach Hause fahren, die Damen auf ihrem Weg zum Markt, die noch älteren Damen mit zahlreichen Holzscheiten auf den Gepäckträgern und einem göttlichen Lächeln auf ihren Lippen oder die Touristen mit dem Drang zur sportlichen Leibesübung im Urlaub bei knalligem Sonnenschein - alle möglichen Varianten sind dabei und als Gesamtpaket sehr erfrischend und einprägend. Thailänder dagegen schwören auf ihren Roller. Dort wird alles mit der Knattermaschine erledigt, auch wenn es nur kurz zum Nachbarn geht. Mit diesen Gedanken komme ich nur schwer zurecht, denn das Fahrrad ist das beste Transportmittel für jegliche Distanzen unterhalb der zwanzig Kilometermarke und gleichzeitig auch noch so umweltschonend. Als GrassVan-Besitzer mit einem Verbrauch von 14 Liter pro 100 km scheint unser Hang zur Umweltliebe klein zu sein, aber das stimmt nicht. Das Fahrrad ist für uns immer noch die beste Wahl und deswegen haben wir immer ein Fahrrad auf dem Dach und sind nun umso erfreuter, hier so viele Gleichgesinnte zu sehen. Um dies zu fördern, sind wir auch fast täglich mit dem Fahrrad unterwegs, erkunden die Stadt und die Gegend und sind auf der Suche nach was passendem zum Essen. Dieses Unterfangen gestaltet sich für uns allerdings eher schwierig. Obwohl oder gerade weil die asiatische Küche mit seinem Facettenreichtum viel gepriesen und auch aus der deutschen Küche nicht mehr wegzudenken ist, sind wir hier zunächst leider einttäuscht. Das Essen ist in Asien eigentlich ein wichtiger Bestandteil der Kultur, aber in Kambodscha scheint es, bis jetzt, keine treibende Kraft zu sein. Generell werden Kambodschaner uns, von hier lebenden Weißbrötlern, als eher faul beschrieben. Vielleicht kann man daraus schlussfolgern, warum die Kreativität in der Küche relativ bescheiden ist. Es gibt hier Reis mit Fisch, Reis mit Fleisch, Maggienuddeln mit Gemüse und Reis, aber Geschmacksexplosionen darf man sich davon nicht erwarten, außer man läuft AMOK. Dieses Gericht ist eines der traditionellsten vom Land: Reis mit Hühnchen in Kokussnussmilch - ein Juwel unter den ansonten recht faden Gerichten. Es schmeckt köstlich genau wie LOK LAK, ein weiteres Vorzeigegericht, welches mit Rind, Reis , Ei und einer speziellen pfeffrigen Soße serviert wird. Da wir schon beim Pfeffer sind, Kambodscha´s Pfeffer ( Kampot Pfeffer ) ist, was für uns die Würstchen sind. Hauptexport im Bereich von Lebensmitteln. Also, in dem Sinne, wir sind gerade da wo der Pfeffer wächst.

 

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